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Letzte Ruhe wird teurer: Aalen beschließt drastische Gebührenerhöhung

Дата публикации: 24-07-2026 15:00:00

Aalens Friedhofsgebühren steigen massiv. Die Stadt setzt weiter auf volle Kostendeckung – mit spürbaren Folgen für alle Bürgerinnen und Bürger.

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Stand: 24.07.2026, 17:28 Uhr

Von: Jürgen Steck

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Friedhöfe sind mehr als letzte Ruhestätten. Der Aalener St. Johann-Friedhof gleicht an vielen Stellen einer innerstädtischen Parkanlage.

Friedhöfe sind mehr als letzte Ruhestätten. Der Aalener St. Johann-Friedhof gleicht an vielen Stellen einer innerstädtischen Parkanlage. © Oliver Giers

Aalens Friedhofsgebühren steigen massiv. Die Stadt setzt weiter auf volle Kostendeckung – mit spürbaren Folgen für alle Bürgerinnen und Bürger.

Aalen. Die letzte Ruhe wird in Aalen spürbar teurer. Der Gemeinderat hat beschlossen, die Friedhofsgebühren nach sieben Jahren neu zu berechnen – mit deutlichen Folgen für Bürgerinnen und Bürger. Im Schnitt steigen die Preise um rund 37 Prozent. Die Stadt begründet den Schritt mit massiv gestiegenen Kosten und einem alten Grundsatzbeschluss: Seit 2010 gilt im Friedhofsbereich das Ziel einer hundertprozentigen Kostendeckung.

Kostendeckung bleibt zentrales Ziel der Stadt

Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle erinnerte im Gemeinderat daran, dass die Gemeindeprüfungsanstalt damals Druck gemacht hat. Die Stadt soll die Kosten für ihre elf Friedhöfe vollständig über Gebühren decken, nicht über Steuermittel. An dieser Linie hält die Verwaltung fest. Ein Antrag der AfD-Fraktion, nur noch 80 Prozent Kostendeckung anzustreben, fand keine Mehrheit. Oberbürgermeister Frederick Brütting machte deutlich, was eine Abkehr bedeuten würde: Die fehlenden 20 Prozent müssten dann alle Steuerzahler tragen – mit Einschnitten an anderer Stelle oder Kreditaufnahmen. AfD-Sprecher Lachnit erklärte, er bedürfe dafür keiner Kredite und verwies auf die Vorschläge der AfD in den Haushaltsberatungen

Steigende Ausgaben für Pflege und Sicherheit

Dass die Gebühren steigen, hat mehrere Gründe. Die Ausgaben für die Pflege der Friedhöfe haben deutlich zugelegt. Der Bauhof mäht die Flächen im Turnus von höchstens drei Wochen, die städtische Gärtnerei sorgt für Bepflanzung, hinzu kommen Unterhalt und Bewirtschaftung der Gebäude. Sicherheitsauflagen wie die aufwendige Baumpflege am Waldfriedhof treiben die Kosten zusätzlich.

Optimierung der Pflege und neue Maßnahmen

Die Verwaltung versucht nach eigenen Angaben bereits, die Pflege zu optimieren. Auf allen Friedhöfen sperrt sie Grabfelder für Neubelegungen, damit größere Freiflächen entstehen. Diese Flächen wandeln die Mitarbeiter in Blühwiesen um oder setzen Blumenzwiebeln. Das spart Arbeit und wertet die Friedhöfe optisch auf. Wo es möglich ist, setzen sie Aufsitzmäher mit Sammeltechnik ein, um große Rasenflächen schneller zu bearbeiten. In den nächsten Jahren prüft die Stadt außerdem den Einsatz von Mährobotern.

Wandel der Bestattungskultur erhöht Fixkosten

Ein Problem bleibt: Viele Kosten fallen unabhängig von der Zahl der Bestattungen an. Vorhaltekosten für die elf Aalener Friedhöfe laufen ständig auf, während sich die Bestattungskultur verändert, wie Stadtkämmerin Daniela Faußner erläuterte. Immer mehr Menschen wählen Urnen- statt Erdgräber. Urnengräber und Kolumbarien brauchen weniger Fläche, klassische Sargreihen sind schlechter nachgefragt, Lücken entstehen. Das Personal pflegt zunehmend Wege und freie Grünflächen, die Fixkosten verteilen sich auf weniger belegte Gräber. In den Jahren 2021, 2022 und 2024 kam es bereits zu Unterdeckungen, die aktuelle Gebührentabelle aus 2021 reicht nicht mehr.

Friedhöfe als öffentliche Grünanlagen berücksichtigt

Eine Rolle spielt auch der Charakter der Friedhöfe als Grünanlagen. Sie dienen nicht nur als Orte der Bestattung, sondern auch als Park und Begegnungsraum, wie OB Brütting sagte. Diesen „grünpolitischen Wert“ berücksichtigt die Stadt bei der Kalkulation: Fünf Prozent der Kosten rechnet sie als öffentliches Grün heraus, beim parkähnlichen St.-Johann-Friedhof sogar 80 Prozent. Zudem sind Friedhöfe auch Orte der Stadtgeschichte, wie man bei Führungen mit Stadtarchivar Dr. Georg Feuerbach lernen kann.

Bereits in den Ortschaftsräten, aber auch aktuell in der Sitzung betonten Sprecher, dass saubere Friedhöfe in guter Qualität gewünscht seien. "Wir haben ein sehr hohes Niveau auf unseren Friedhöfen. Dieses Niveau möchten wir gerne behalten", argumentierte Brütting.

Prognose: Fallzahlen stagnieren trotz Bevölkerungswachstum

Für die Jahre 2026 bis 2029 hat das Grünflächenamt Ausgaben und mögliche Einnahmen durchgerechnet. Eine Szenarioanalyse zeigt: Trotz wachsender Bevölkerung und mehr Hochbetagten könnten die Fallzahlen leicht sinken, weil alternative Bestattungsformen außerhalb der städtischen Friedhöfe zunehmen. Um dennoch die vom Gemeinderat festgelegte hundertprozentige Kostendeckung zu erreichen, bleibt der Stadt kaum eine Wahl.

Gebühren steigen um durchschnittlich 37 Prozent

Die Folge: Sämtliche Bestattungs-, Grab- und Verwaltungsgebühren steigen im Mittel um etwa 37 Prozent. Wer in Aalen einen Platz für die letzte Ruhe sucht, muss künftig deutlich mehr zahlen – weil die Stadt ihre Friedhöfe nicht nur als Orte der Trauer, sondern auch als Pflichtaufgabe mit klarer finanzieller Obergrenze sieht.

Beisetzungen: Konkret bedeutet dies zum Beispiel bei einer einfachen Erdbestattung eine Erhöhung von 844 auf 1200 Euro. Eine Urnenbeisetzung kostet statt 550 nun 785 Euro im Erdgrab, statt 335 künftig 470 Euro im Kolumbarium. Hinzu kommen noch Benutzungsgebühren, etwa für Kühl- und Aussegnungshalle.  Gräber: Ein Reihengrab kostet statt 1110 Euro künftig 1650 Euro, ein Urnenreihengrab künftig 1450 Euro (bislang 1030 Euro), ein Wahlgrab 2700 Euro (bislang 1911 Euro), ein Rasenwahlgrab 3100 Euro (bislang 2211 Euro), ein Urnenwahlgrab 2280 Euro (bislang 1780 Euro). 

Friedhöfe in der Gesamtstadt Aalen

Die Gesamtstadt Aalen unterhält insgesamt 11.500 Gräber auf elf Friedhöfen: Sankt Johann-Friedhof, Aalener Waldfriedhof, Friedhöfe Unterrombach, Unterkochen, Ebnat, Waldhausen, Wasseralfingen, Hofen, zwei städtische und einen rein evangelischen Friedhof in Fachsenfeld. Der größte Friedhof ist der Waldfriedhof mit knapp 5000 Gräbern.

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