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Ostalb-Landwirte: Schlechte Preise und Bürokratie bedrohen Existenzen

Дата публикации: 28-07-2026 16:00:00

Sinkende Preise und hohe Auflagen setzen Bauern im Ostalbkreis massiv unter Druck. Wie lange hält die Landwirtschaft das noch aus?

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Stand: 28.07.2026, 18:00 Uhr

Von: Jürgen Steck

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Ein Landwirt arbeitet auf einem Feld bei Zöbingen. Er grubbert, damit das Feld nach der Ernte nicht zu sehr austrocknet. Die Herausforderungen für Landwirte werden immer größer, sagt Hubert Kucher, Chef des Bauernverbands Ostalb/Heidenheim.

Ein Landwirt arbeitet auf einem Feld bei Zöbingen. Er grubbert, damit das Feld nach der Ernte nicht zu sehr austrocknet. Die Herausforderungen für Landwirte werden immer größer, sagt Hubert Kucher, Chef des Bauernverbands Ostalb/Heidenheim. © Gerhard Königer

Sinkende Preise und hohe Auflagen setzen Bauern im Ostalbkreis massiv unter Druck. Wie lange hält die Landwirtschaft das noch aus?

Aalen. Ein Wort reichte Hubert Kucher, um die Lage der Ostalb-Landwirte zu beschreiben: „Schlecht." Der im vergangenen Jahr einstimmig wiedergewählte Vorsitzende des Bauernverbands Ostalb/Heidenheim ließ beim Digital Forum der SDZ keinen Zweifel daran, wie ernst die Situation für die Landwirte in der Region ist. Und er legte nach.

Preisverfall gefährdet bäuerliche Existenzen

Was die Bauern am meisten belaste, sei derzeit nicht das Wetter – sondern der Preis, den sie für ihre Produkte bekämen. „Wenn man 36 Cent für einen Liter Milch bekommt, wenn man für einen Doppelzentner Weizen 18 Euro erlöst und beim Schweinefleisch merkt, dass es auf unter 1,40 Euro je Kilogramm runtergeht – dann zahlt man drauf. Wir bringen Geld mit. Das kann nicht sein." Der einzige aktuelle Lichtblick, so Kucher bitter, sei die geopolitische Krise: Unterbrochene Transportwege durch den Konflikt des Iran mit Trumps USA hätten den Weizenpreis leicht steigen lassen. „Es ist traurig, dass man eine Krise braucht."

Tierhaltung sichert regionale Wertschöpfung

Dazu komme das Problem der Notreife: Wenn dem Weizen während der Kornbildung das Wasser ausgehe, bilde er nur kleine, minderwertige Körner – gut allenfalls noch als Tierfutter, "Hühnerweizen", so Kucher. Genau deshalb sei im Übrigen die Tierhaltung für die Region unverzichtbar: Sie verwerte Nebenprodukte, die der Mensch nicht essen könne, und mache daraus hochwertige Nahrungsmittel.

Strukturwandel in dramatischem Tempo

Die Zahlen, die Kucher nennt, sind alarmierend. Zwischen drei und fünf Prozent der Betriebe gäben jedes Jahr auf. Im Ostalbkreis und im Kreis Heidenheim – zusammen rund 3500 Betriebe – habe man in den vergangenen zehn Jahren geschätzt die Hälfte verloren. Nicht durch Insolvenz, sondern weil es finanziell nicht mehr tragbar sei oder kein Hofnachfolger da sei. Besonders dramatisch: Bei der Schweinehaltung hätten im Land sogar 55 Prozent der Betriebe aufgehört. „Baden-Württemberg war einmal eine Hochburg der Schweinehaltung", berichtet Kucher.

Wettbewerbsdruck und Mindestlohn belasten Betriebe

Die frei werdenden Flächen übernehmen andere Betriebe – die dann aber kaum noch zurechtkämen. Beim Mindestlohn sieht Kucher ein strukturelles Problem: „Wir konkurrieren global. Woanders liegt der Mindestlohn bei fünf oder acht Euro. Da können wir unsere Erdbeeren im Lebensmitteleinzelhandel nicht mehr verkaufen – wir sind einfach zu teuer." In der Folge seien in den letzten fünf Jahren viele Sonderkulturen verschwunden.

Überregulierung und Genehmigungsstau

Scharf kritisiert Kucher den bürokratischen Aufwand. In Nachbarkreisen habe es bis zu sieben Jahre gedauert, bis ein Stallbau genehmigt worden sei, nennt er ein Beispiel. „Bis die Genehmigung da ist, ist der Stall schon veraltet." Seine Forderung: Wer bereit ist, Millionen in einen neuen Stall zu investieren, der müsse die Chance bekommen, das auch umzusetzen. „Lasst diese Menschen einfach machen." Der Staat solle Leitplanken setzen – aber keine so engen, dass man darin nicht mehr atmen könne.

Staatliche Vorgaben schränken Eigenverantwortung ein

Das Paradoxe dabei aus Sicht Kuchers: „Der Staat bildet uns aus – Fachschule, Meister –, und dann traut er uns nicht zu, unseren Betrieb selbst zu bewirtschaften. Er schreibt uns vor, wann wir säen und pflügen. Das geht nicht. Wir können keine Landwirtschaft nach Datum machen."

Lebensmittelsicherheit und die Macht des Handels

Auf die Frage, ob Deutschland in der Lebensmittelversorgung verwundbar sei, antwortete Kucher klar: ja. Baden-Württemberg könne sich gerade noch zu 50 bis 60 Prozent selbst versorgen. Jedes vierte Schnitzel, das im Land gegessen werde, komme nicht aus Baden-Württemberg. Verantwortlich dafür sei auch der Lebensmitteleinzelhandel: „Der knechtet uns. Er legt fest, zu welchen Bedingungen wir erzeugen müssen – nicht der Staat. Und er macht Zahlungsziele von sechs bis acht Wochen. Das ist eigentlich unmöglich."

Wenn der Butterpreis um 30 Cent steige und die Boulevardpresse aufschreie, habe er dafür wenig Verständnis. „Ich frage mich, wie viel Kilo Butter der betreffende Redakteur täglich isst."

Nachwuchs und Frauen stärken die Branche

Einen Lichtblick gibt es: die Ausbildungszahlen. Sie seien stabil, in manchen Bereichen sogar steigend. Und fast 50 Prozent der Auszubildenden seien inzwischen Frauen. „Das finde ich stark." Viele hätten keinen landwirtschaftlichen Hintergrund und wählten den Beruf bewusst – wegen seiner Vielfalt: Tierhaltung, Pflanzenbau, Technik, Markt, Wirtschaft. „Ich wüsste keinen vielfältigeren Beruf."

Hubert Kucher (rechts) im Gespräch mit Redaktionsleiter Jürgen Steck.

Hubert Kucher (rechts) im Gespräch mit Redaktionsleiter Jürgen Steck. © Oliver GiersMarktpreise und Klima bleiben größte Risiken

Einem 20-Jährigen, der einen Betrieb übernehmen wolle, würde Kucher grundsätzlich Ja sagen – mit realistischem Blick: „Es ist ein Beruf der Erfüllung. Wenn man die politischen und finanziellen Rahmenbedingungen ausblendet." Aber genau da müsse man kämpfen. Sein Sohn ist bereits eingestiegen.

Sorge und Hoffnung

Seine größte Sorge: der Marktpreisverfall und der Klimawandel mit langen Dürreperioden und Starkregenereignissen. Seine Hoffnung: die Jungen, die trotzdem einsteigen. „Wenn die auf der Ipf-Messe selbst das Heft in die Hand nehmen, auf die Bühne gehen und einer Ministeriumsleiterin ihre Fragen stellen – das macht mir Mut."

Appell für regionale und bewusste Ernährung

Und sein Appell an die Verbraucher: „Wer regional einkauft und auf normale Grundnahrungsmittel setzt, der kann sich das leisten. Und der unterstützt damit eine Landwirtschaft, die dieses Land ernährt."

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