Niedrigwasser und hohe Temperaturen belasten den Rhein. Schifffahrt, Fähren, Wassersport und Unternehmen geraten unter Druck.
Sinkende Pegelstände und hohe Wassertemperaturen sorgen für Probleme in der Schifffahrt, belasten Fische und erschweren den Gütertransport auf Deutschlands wichtigster Wasserstraße.
Am Pegel Kaub im Mittelrheintal liegt der Wasserstand (Mittwoch, 29.7.) nur noch bei 29 Zentimetern. Das entspricht einer Wassertiefe in der Fahrrinne von 1,43 Metern. Damit fehlen nur noch vier Zentimeter bis zum bisherigen Negativrekord aus dem Jahr 2018.
Das Wasser im Rhein ist für seine Bewohner deutlich zu warm. Die kritische Schwelle von 25 Grad wird seit dem 20. Juli zwar wieder unterschritten, könnte laut Umweltministerium in den kommenden Tagen aber erneut erreicht werden. Am 26. Juni waren laut Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) bei Koblenz sogar 28 Grad gemessen worden.
Das warme Wasser sorgt wegen seines geringen Sauerstoffgehalts für Stress bei den Lebewesen im Rhein. "Je geringer der Abfluss, desto weniger Sauerstoff und Raum steht den im Rhein lebenden Organismen zur Verfügung", heißt es aus dem Ministerium. Wechselwarme Fische könnten dann nicht gut in kühlere Bereiche ausweichen. Für den Barben-Bestand sei eine Überschreitung der 25 Grad kritisch.
Rhein-Niedrigwasser legt Blindgänger freiNiedrige Wasserstände im Rhein legen immer wieder alte Munition frei, die vom Kampfmittelräumdienst überprüft wird. Nicht jede Meldung führe tatsächlich zu Kampfmitteln, teilte eine Sprecherin mit. Dennoch würden alle gemeldeten Funde untersucht. Die Behörden warnen davor, verdächtige Gegenstände zu berühren oder zu bewegen. Stattdessen sollten Ordnungsamt oder Polizei informiert werden.
Probleme für Schifffahrt und RheinfährenAuch die Personenschifffahrt auf dem Rhein leidet unter dem Niedrigwasser. Für Kabinenschiffe könnte es je nach Wetterlage bald eng werden, so das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein in Bingen. In Bonn fuhr sich vor wenigen Tagen ein Hotelschiff mit 75 Passagieren und 40 Crewmitgliedern fest.
Ludwigshafen Schwimmende Wissenschaftsausstellung abgesagt Zu wenig Wasser im Rhein: MS Experimenta kann in Ludwigshafen nicht anlegenDie neun Rheinfähren zwischen Ingelheim und Bad Honnef fahren laut Betreiber weiter regulär. Dagegen pausieren derzeit die Fähren "Peter Pan" zwischen Leimersheim und Leopoldshafen sowie die "Baden-Pfalz" zwischen Neuburg und Neuburgweier.
Niedrigwasser trifft Bootsverleiher und WassersportAuf dem Rhein sind deutlich weniger Freizeitsportler unterwegs. "Es kommen gerade keine neuen Reservierungen rein", sagt Andreas Bitnar von mietboot.com in Mainz. Viele Neukunden hätten ihre Pläne wegen des niedrigen Wasserstands oft bis ins nächste Jahr verschoben.
Auch private Bootseigner seien vorsichtiger unterwegs. "Je niedriger das Wasser, desto mehr muss beachtet werden", sagt Bitnar. Zudem hätten die Bootsverleiher mit höheren Spritpreisen zu kämpfen.
Wasserpest im Rhein erschwert Rudern und PaddelnDie aus Nordamerika stammende Wasserpest hat sich wegen niedriger Wasserstände und hoher Temperaturen stark vermehrt, besonders in Bereichen mit wenig Strömung wie Häfen oder Altrheinarmen.
Die Pflanze kann sich um Schiffsschrauben wickeln, auch Paddeln und Rudern wird schwierig. Manche Rudervereine berichten, dass Anfänger häufiger gekentert sind. Teilweise wurden Trainingseinheiten und Regatten abgesagt.
BASF und Gütertransport auf dem Rhein unter DruckDer Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen verfolgt die Entwicklung des Rhein-Niedrigwassers nach eigenen Angaben genau. Der Binnenschifftransport könne bislang durch zusätzliche Niedrigwasser-Schiffe weitgehend aufrechterhalten werden, teilte das Unternehmen mit. Teilweise würden Transporte auf Lastwagen und Schiene verlagert. 40 Prozent der Güter am BASF-Stammwerk in Ludwigshafen werden per Schiff transportiert. In der Vergangenheit hatte Niedrigwasser dort bereits zu Produktionsstopps geführt.
Koblenz Mehr Schiffe müssen beladen werden Wie sich das Niedrigwasser auf den Koblenzer Rheinhafen auswirkt Fahrrinne im Rhein soll vertieft werdenDer Ausbau der Bundeswasserstraßen ist Sache des Bundes. Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Michael Ebling (SPD) fordert demzufolge vom Bund, notwendige Maßnahmen auf den Weg zu bringen. "Das aktuelle Niedrigwasser macht erneut deutlich, wie verletzlich eine der wichtigsten Verkehrsachsen Deutschlands ist", so Ebling.
Im Bundesverkehrswegeplan 2030 steht die Rheinvertiefung als vorrangiges Projekt. Im Mittelrhein soll von Budenheim bei Mainz im Süden bis St. Goar im Norden die Fahrrinne um 20 Zentimeter vertieft werden. Das klingt wenig, ließe pro Schiff aber bis zu 200 Tonnen mehr Fracht zu. Wann es damit losgeht, ist unklar. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) rechnet damit aber nicht vor dem Jahr 2033.
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